Der letzte Schrei

von

Uwe Kampmann


Um seine Hüften trägt er ein Lambadaröckchen. Er tanzt zur Musik und ruft im Rhythmus :"Alles Banane !"
In seinem Kopf kreist der Tropenrum. Er schleudert seine Hände in die Luft und fängt sie mit seinen Armen wieder auf. Er dreht sich um sich selbst. Sein Becken drückt er überhart nach rechts und nach links, wirft den Kopf in den Nacken, blickt senkrecht nach oben, schreit :"Uh, uh, alles Banane !"
Um seinen Hals trägt er einen Kranz Blumen. Er springt in die Luft, kommt zurück auf seine Füße, hält den Kopf im Nacken, schreit :"Alles Banane !"
Schrill, ekstatisch, die Deckenscheinwerfer blitzen. Er kugelt sich auf dem Boden, rollt mit seinen Augen, zuckt mit den Knien, der Kopf berührt hinten den Boden. Alles an ihm vibriert als er sich beginnt aufzurichten. Seine Finger verschlingen sich ineinander. Er dreht sich um seine Achse, fixiert mit seinen Augen den Barmann, mit seinen Armen rudert er sich zum Tresen, greift nach einem Glas Tropenwasser, leert es mit einem Zug, wirft dem Barmann das Glas zu, springt zurück in die Musik und schreit : "Alles Banane !"
Der Schweiß tropft aus ihm wie Wasser aus einem Teebeutel. Er verzieht sein Gesicht wie eine Mischung von Kunst und Aspirin. Er schreit : "Alles Banane ! Banane ! Banane !"
Die Musik beginnt von vorn. Ihr Ende ist nur ein neuer Anfang.
"Alles Banane !"
Um den Kopf trägt er ein Tuch. Neben ihm Postkartenansichten an den Wänden, mit Palmen.
"Alles Banane !"
Plötzlich schreit einer :" Nein alles Fuzzi !"
Er reißt sich die Bananen von den Hüften, brüllt : "Ja, alles ist Fuzzi !"
Seine Eier hüpfen im Rhythmus. Jemand greift nach seinem Schwanz, köpft ihn mit einem Messer, hält ihn hoch und schreit :" Wir sind Kannibalen !"
Alle schreien : "Wir sind Kannibalen !"
Sie fallen übereinanderher. Das Massaker quillt zur Ekstase. Der Letzte schwingt in jeder Hand einen Kopf, und tanzt auf den massakrierten Leibern.
Die Musik beginnt von vorn.
Der Barmann liegt blutend über dem Tresen.
Der Tänzer nascht vom Blut der anderen. Er schreit in die toten Ohren : " Das ist modern !"


*

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Zwischenzeit

von

Uwe Kampmann

Ich war eine eigentlich typische Uneigentlichkeit. Wenn ich an mir herunterblickte, sah ich weder meine Füße noch sonst irgend etwas von mir. Es war mir auch egal, so egal wie der Rest, schließlich sah auch niemand meine Augen. Eigentlich hätte ich mich auch so nennen können, niemand, Herr Niemand oder war ich Frau ? Das war mir so egal wie alles übrige, störte ich doch niemand, solange wie man mich nicht sah und hören konnte. Niemand störte mich genau wie ich niemand störte, auch du nicht, bis ich zur Welt kam.
Kam ich oder kam die Welt zu mir ? Es war mir egal, so wie mir bisher alles egal gewesen war.
Mein Kopf war kahl, und auch das störte mich nicht. Von Ihnen weiß ich, es würde Sie verdammt sehr stören keine Haare auf dem Kopf zu haben. Haben Sie erst mal keine, dann würde es Sie auch nicht mehr stören.
Ich schrie als ich hierher kam, ich wollte nicht, man gab mir Milch und
sagte :"Baby, schön happi."
Ich verstand, Baby schön häppy. Ich schrie erneut, ich war nicht einverstanden. Niemand kümmerte sich darum. Man stopfte mich voll bis mir die Luft aus dem Bauch quoll. Ich sah an mir herunter und sah mich, meine Füße, meinen Bauch und meine Hände. Jeder Fetzen an mir zeigte wo ich aufhörte, ich hörte auf am Ende meiner Glatze und am Rund meiner Fingernägel und an den Füßen sah es nicht besser aus. Ich war geformt. Auf einmal war ich da. Man nannte mich gesund.
Ich schrie und man stopfte mich voll.
Heute liege ich hier. Meine Haare, ich bin so kahl wie ich kam. Meine Grenzen sind verschoben, die Nägel da wo Hände und Füße sind, lang und schmutzig.
Man beugt sich über mich. Man sagt: "Er ist krank und alt."
Ich spüre Durst. Ich kann nicht mehr sprechen, nur meine Augen.
"Ich glaube er möchte sterben", sagt jemand.
Jemand anderes sagt:" Ich glaube es wird nicht mehr lange dauern."
Niemand reicht mir Wasser. Ich sehne mich danach, niemand zu sehen.


*

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Rückzug

von
Uwe Kampmann

Auf seinem Gesicht lag die Vergangenheit.
Der Filzhut legte die Stirn in Schatten.
Seine Augen schimmerten auf der bleichen Haut
umgeben von den scharfen Kanten seiner Wangenknochen,
dem stillen Lächeln seiner Lippen
und den eingeschnittenen Linien,
die wie Siele das Watt durchziehen.
Seine Füße hatten Berge bestiegen,
seine Hände Äcker gepflügt,
er war durch Sümpfe geflohen,
hatte Zuflucht in schützenden Wäldern gefunden,
dort wo es nicht nach Menschenfleisch roch
bittere Tränen geschmeckt,
Salz gekostet.
Seine Erinnerungen waren vielerorts,
ohne Reisegefährten,
stillgelegt,
verewigt,
so steinig,
gleich dem Lächeln wenn der Wind am Felsen nagt.
Ohne Rückkehr.
Zeit jetzt loszulassen,
nicht länger fremd bleiben,
bis endlich das Licht erlöscht.
Es hat auch guteTage gegeben.


*

4.4.07 06:26, kommentieren

Marseille

von

Uwe Kampmann


Hafenstädte gibt es viele, verbunden mit Sehnsucht und Heimweh, Bombay, Honkong, Rio, Shanghai, oder Hamburg, jedoch ist keine so geheimnisvoll umwittert wie Marseille.


Es gibt sie einfach, so wie sie ist. Nichts scheint hier von Bedeutung zu sein. Massalia, der Name ist geblieben und sonst kaum etwas von dem was gewesen war. Keine Relikte aus der Zeit der griechischen Niederlassung, lediglich ein paar Steine aus der Römerzeit, Grundmauern die man vor der Post ausgegraben hat, inzwischen vielleicht zu einer Tiefgarage umgebaut. Man ist hier so. Man redet viel und vergißt schnell.
Was wiederkehrt ist der Mistral und der harte Akzent der Bewohner dieser Stadt wenn sie reden, und sie reden viel und schnell, so schnell wie sie vergessen.
Was liegen bleibt ist der Schmutz in den krummen Gassen. Nicht irgendwo, - überall, der Ruf des Geheimnissvollen, inmitten einer Architektur die keine Architektur erkennen läßt. Der lebendigste Friedhof der Welt, eine Stadt die ihre Geschichte immer in sich selbst begraben hat. Kaum ein sichbarer Hinweis der vergangenen Kulturen, nur der Name ist erhalten geblieben, Marseille.
Die Schiffe kommen und verlassen den großen Hafen, kaum das jemand bleibt der hier nicht geboren wurde. Sie kommen zu Tausenden, die Matrosen aus aller Welt, und sie gehen wieder zurück in die Welt.
Das Tor zum Orient, ein Tor das man sowenig sieht wie die Geschichte dieser Stadt und doch genügt ein Blick sie zu erkennen.
Die Tristess ihrer Häßlichkeit, die Glut ihrer Mittagssonne, der verborgene Reichtum und die ins Gesicht springende Armut.
Alles was ihren Ruf ausmacht, man kann es überall antreffen.
Ihr Ruf, - so gnadenlos wie der Einfall des Architekten der großen Kathedrale. Die Kirche gegenüber das Kommissariat der Polizei, hinterläßt den Eindruck, im heftigen Rausch eines zu starken Messwein gezeugt worden zu sein.
Die monumentale Treppe vom Bahnhof Staint Charles hinunter in die Stadt endet am Boulevard d´Athenes, zu den Füßen der kleinen Schieber und Nepper. Eine Schautreppe der Armut.
Ein Stück weiter, über dem Hafen die Notre Dame de la Garde als goldenes Medallion, für den der von See kommt. Marseille.
Wer hier herkommt flieht oder bleibt.
Der Geruch des Hafens, die verwegenen Gesichter, ihr Lachen, nichts ist verlorengegangen seitdem die Stadt ihren Namen bekam.
Am Alten Hafen und entlang der Corniche, die Bouillabaisse, diese bekannte Fischsuppe. Selbst sie ist ein Geheimnis dieser Stadt. Die Köche streiten sich heute noch um die Rezeptur. Ich wette, sie ist so alt wie der Hafen. Ein Rest aus übrig gebliebenem Fisch. Es riecht nach Salz, Öl, Knoblauch, Zwiebeln, nach provencalischen Kräutern, Thymian liegt in der Luft, Lorbeer und Safran, im Sud aus Weißwein, Fischköpfen und Gräten. Mehr als sieben verschiedene Fischarten müssen in dieser Suppe ihre Kiemen geschlossen halten. Die Frage ob zwischen dem Drachenkopffisch, dem Meeraal, dem Petersfisch ein Hummer in den Meereseintopf gehört, entzweit bis heute die Köche der Stadt. Über Fenchel, frisches Gemüse und Lauch ist man sich einig. Ein Rotwein zur Bouillabaisse, ich glaube die Köche würden die Polizei rufen. Ein Verbrechen für dieser Stadt.
Schnecken ? Ja, die gibt es, selbst dort wo Chlochardes verkehren. Ja, man kann hier zugreifen, laut schlürfen, im Quartier d`Belsunce eine Flasche Bandol bestellen und dafür Gelächter ernten. Hier wo kaum jemand regelmäßige Arbeit besitzt. Die verkniffenen Gesichter versüßen sich den schwarzen Tabak mit einer Priese Kiff, aus der Tür von nebenan. Einer der angenehmsten Düfte der Stadt, am Rand stehen die Raffenerien und Fabriken.
In der Avenue du Prado die aufgemotzten Villen, bevor es raus in die Hügel geht, ansonsten bleibt es zwischen dem Meer und dem Himmel grau und alt. Nicht alt genug um das wahre Alter zu erkennen aber alt genug um zu sehen das der Hauch der Jugend verweht ist, so wie die grauen Fassaden des berüchtigten Gefängnis "Les Beaumet" nicht mehr weiß sind.
Armenier, Juden, Araber, Legionäre durchziehen die Stadt. Es war so und wird so sein.
Der Nepp beginnt für den Ankommenden in den Restaurants am Boulevard d´Athenes. In der Rue Thubaneau, wenige Schritte weiter stehen die Frauen im Hafen von Marseille. Rund um die Uhr, zusammengewürfelt aus allen Kontinenten.
Was zu regeln ist wird ohne Polizei geregelt. Wer den Preis akzeptiert ist hier sicherer als im Krankenhaus.
Mürbe Gesichter, abgetragene Hosen, in den engen Gassen laute Musik, Maghreb und tiefes Afrika, umgeben vom schrillen Lachen der Huren. Aufdringliche Händler, Schmuck in den Händen, Teppiche über den Armen,- oder irgendwo verborgen, Drogen.
Kommt die Polizei, dann nie allein, wenigstens zu viert mit zwei Hunden. Meistens wenn sie kommen sind es dreihundert, um Ärger zu machen. Irgendwo zwischen dem Gare Routière, dem Arc de Triomphe, der Kirche Saint Théodore und der Rue de Domainicain.
Sie werden immer wieder kommen und doch nichts verändern können.
Massalia, alte Stadt, durchwebt von unzähligen Kulturen. Die deutschen Truppen konnten ihr nicht mehr anhaben als einen schlechten Eindruck zu hinterlassen.
Die Brise vom Meer treibt den Geruch durch die Straßen. Die Canebière mit ihren Cafés entfernt sich vom Alten Hafen. Nachts pißt eine alte Frau auf das Pflaster und ein Mann leert aus der Flasche den letzten Tropfen.
In den Gassen wird gelacht und gehandelt.
Die Fischer gehen in der Dunkelheit zu ihren kleinen Booten im Alten Hafen. Sie schlagen ihre Kragen hoch und sagen : "Der Mistral ist in der Stadt."
Das Rhone Delta liegt um die Ecke. Der Fallwind kommt jedes Jahr. Man kann sich stundenlang über ihn unterhalten und dann vergessen bis er wiederkommt. Ich schätze, niemand kennt die Stadt besser als der Mistral.

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Der unauffällige Mister Roley

Eine unheimliche Begegnung

von

Uwe Kampmann

Ein hilfloses Lächeln streifte über sein Gesicht. Aus seiner Nase quoll Blut. Er wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Er achtete dabei nicht auf seinen Ärmel und seine Manschette. Der Tritt traf ihn von hinten. Er fiel nach vorn auf das Straßenpflaster. Seine Aktentasche wurde ihm aus der Hand gerissen. Zeit darüber nachzudenken blieb ihm nicht. Der Wagen fuhr an, zermalmte seine Hirnschale, ließ ihn zurück. William Roley ? Es gab ihn nicht mehr. Sein Rest war ein ausgestreckter Leichnam ohne Gesicht.
Es dauerte zwanzig Minuten bis die Polizei eintraf. In den Morgennachrichten wurde sein Name genannt. Sein Beruf war Immobilienmakler gewesen. ZORN , das Wort war mit zackigen Kanten auf den Bürgersteig gesprüht, da wo seine Füße lagen. Ein Zufall schien ungewöhnlich. Nirgendwo in der Gegend waren die Häuserwände besprüht. Die Adressen hier waren zu nobel, Geschäftslage in besserer Gegend, kein Aufenthalt für Unzufriedene, nicht mal für Künstler, einfach nur Büros, mit Portierslogen, Parkplätzen und sonst nichts um hier zu wohnen.
Die Aussage des Angestellten einer privaten Bewachungsgesellschaft, der den Fund gemacht hatte, brachte keine Hinweise. Der Portier des Enterprisebuilding sagte :"Mister Roley hat das Gebäude um ein Uhr nachts verlassen."
War das ungewöhnlich ?
Der Portier gab zu Protokoll: "Mister Roley kam meistens morgens um halb Zehn, und je nachdem, manchmal ging er schon wieder nach zwei Stunden, obwohl meistens blieb er bis Sechs am Abend, aber es war auch nicht ungewöhnlich das er länger blieb oder später kam oder erst irgendwann in der Nacht das Haus verließ."
War es eine Zufallstat oder war es die Ausführung eines Plans gewesen ? Da waren die vier Buchstaben, ziemlich genau unterhalb seiner Fußspitzen wenn man berechnet das die Autoreifen den Körper ein Stück weit bewegt hatten.
Wer war Mister Roley gewesen ?
Der Portier sagte aus : "Es gab nie Probleme. Er vermietete Wohnungen und Häuser. Mrs. Woolbridge ist seine Sekretärin, sonst hat er niemanden beschäftigt. Die Büros im Haus sind nicht sehr groß, deswegen sind hier viele Firmen untergebracht. Ich glaube es ist wegen der Adresse, das Viertel hier hat einen guten Namen."
"Hatte Mister Roley eine Familie ?"
Die Ermittlungen ergaben das Mister Roley, als Junggeselle gelebt hatte. Ein Bruder von ihm lebte oben in New England. Sonst gab es niemanden. Das bestätigte auch Mrs. Woolbridge.
"Ich kannte ihn nur als Chef. Persönlich hatten wir keinen Kontakt." Mrs. Woolbridge war zweiundfünfzig. Sie sah sehr gewissenhaft aus mit ihrer Brille und dem grauen Kostüm. Ihre Schuhe besaßen keine Absätze und ihre Fingernägel waren matt und unauffällig lackiert. Es war kaum zu vermuten das sich jemand nach ihr umdrehte.
"Mister Roley hat mich immer pünktlich bezahlt. Er war mit meiner Arbeit zufrieden. Er überließ mir das Anzeigengeschäft. Ich mußte die Telefonate durchstellen und die Klienten beaufsichtigen bevor er mit ihnen sprach."
"Gab es manchmal Ärger ?"
"Mit Mister Roley nie. Zu Weihnachten bekam ich etwas mehr Gehalt und zu meinen Geburtstagen Blumen."
"Und mit den Klienten ?"
"Nein, die waren froh wenn wir ihnen helfen konnten."
"Glauben Sie, es gab jemand der Mister Roley umbringen wollte ?"
Mrs. Woolbridge blickte ratlos, dann schüttelte sie den Kopf: "Ich kann mir das nicht vorstellen."
Die Befragung der Nachbarschaft in der Mister Roley gelebt hatte brachte keine anderen Auskünfte zu Tage. Kein Hinweis auf Homosexualität, keine Feste, Mister Roley hatte unauffällig in seinem Haus gelebt. Er hatte keinen Hund zum Ausführen, alles was sich auf seinem Grundstück bewegt hatte war sein Bentley gewesen mit dem er wegfuhr oder zurückkam.
Mrs. Daniels seine Haushälterin, konnte auch nichts hinzufügen was Licht in den Tod von Mister Roley hätte bringen können. Sie war zweimal in der Woche zum Putzen gekommen und hatte sich um den Rasen gekümmert. Nein, von einer Beziehung von Mister Roley zu einer anderen Person war ihr nichts bekannt, daß hätte ihr auffallen müssen, immerhin kam sie seit vier Jahren regelmäßig in das Haus.
Und sonst ?
"Mister Roley hat mit mir nie viel gesprochen, er hat immer pünktlich bezahlt und war mit meiner Arbeit zufrieden."
Vielleicht konnte ein Photo mehr Auskunft über Mister Roley geben. Mrs. Daniels, Mrs. Woolbridge und der Portier hatten sich für eine von mehreren Aufnahmen übereinstimmend entschieden. Es waren nicht viele Bilder im Haus gefunden worden, aber dieses eine schien Mister Roley so zu zeigen wie er zuletzt ausgesehen hatte. Er stand neben seinem Bentley, im Hintergrund war ein leerer Strand und dahinter das Meer. Es hätte jeder Strand und jedes Meer sein können, irgendwo an der Ostküste, vielleicht im Süden oder westlich am Pazifischen Ozean. Auf jeden Fall ein Fleck der nicht überlaufen war. Mit wem war Mister Roley an einen menschenleeren Strand gefahren ? Oder auch nicht ? Er allein, der Apparat auf einem Stativ, mit einem Selbstauslöser fotografiert ? Eine genaue Aussage war nicht möglich. Im Haus war ein Stativ gefunden worden und die beiden Frauen konnten nur sagen: "Ja, Mister Roley hatte vor vier Monaten Urlaub gemacht." Näher hatte er sich dazu nicht geäußert.
Er schien kaum jemanden gekannt zu haben. Es war die Presse, die die Öffentlichkeit mit ihm beschäftigte. Und die Polizei. Natürlich, es war ein Fall für sie. Es war ein Fall für sich.
Mister Roley lag zum Zeitpunkt als man sich mit ihm zu beschäftigen begann in der gerichtsmedizinischen Pathologie. Das fehlende Gesicht wurde durch das Photo ersetzt. Zu dem Rest den man von ihm gefunden hatte war es nicht besonders schmeichelhaft. Er sah irgendwie zu früh aus dem Ei geschlüpft aus. Sein Schädel wirkte eher abstoßend, hoch, glänzend, mit einigen häßlichen Falten. Herausragend war die Vorderglatze, obwohl er war erst zweiundvierzig gewesen. Sein übriges Äußere als man ihn gefunden hatte, entsprach dem gehobenen Anspruch. Der Anzug, die Schuhe, die Uhr, selbst die Unterwäsche waren kein billiges Zeug gewesen. Die Ermittlung ergab, er war kein Kind reicher Eltern gewesen. Beide Söhne hatten sich zeitig von der Familie gelöst. Sein Bruder Stewart führte ein Leben als Lebensmittelkaufmann im Norden nachdem er seine Frau kennengelernt hatte und in das Geschäft eingeheiratet hatte. Völlig unauffällig, drei Jahre Militärdienst in Vietnam, und danach nie mehr in den Akten in irgendeiner Form aufgetaucht.
Mister William Roley, das war nicht schwer herauszubekommen war dienstuntauglich gewesen. Schon bei der Musterung hatte er angefangen zu heulen. Hypersensibel, unberechenbar, war in dem Militärgutachten vermerkt worden, daher untauglich.
Sein Bruder hatte ihn zum letzten Mal bei der Beerdigung ihres Vaters gesehen, der sechs Wochen nach dem Tod seiner Frau gestorben war. Aber das lag schon so lange zurück.
Irgendwer hatte William Roley auf den Gedanken gebracht es mit Immobilien zu versuchen. Seine ersten Anzeigen in den Zeitungen waren überschrieben gewesen: ´Ich bin Ihr Rettungsanker.` Er hatte damit begonnen Wohnungen, die schon zum Abbruch bereitstanden kurzfristig zu vermieten. Dann hatte er selber Grundstücke gekauft und Häuser gebaut. Nach acht Jahren besaß er bereits ein Vermögen.
Feinde ? Wenn man schon keine Freunde besitzt, heißt das noch lange nicht das man anderen Menschen aus dem Weg geht.
Sein Bruder gab zu Protokoll: "Ich war der Ältere. Wir waren nur zwei Jahre auseinander. Er hat immer schnell angefangen zu weinen. Ich glaube er fing damit an, als er sah wie unser Vater mich häufig schlug. Wenn mich der erste Hieb traf, unser Vater nahm seinen Gürtel, dann fing er gleich an zu weinen. Unsere Mutter hatte immer nur hilflos zugesehen. Wir haben häufig Schläge bekommen. Ich habe erst immer geschrien wenn ich es nicht mehr aushalten konnte. Mein Bruder fing schon vorher an. Es genügte wenn unser Vater seinen Gürtel aus der Hose zog."
Nachdem William Roley das elfte Grundstück erworben hatte, war er in das Enterprisebuilding gezogen. Sein Büro füllte sich mit Papierkram, so wie es eben ist wenn man erfolgreich ist. Zum Glück hatte er Mrs. Woolbridge.
"War Mister Roley ein hilfsbereiter Mensch ?"
Mrs. Woolbridge nickte : "Ich glaube ja."

Ich traf William Roley unterwegs, das heißt, ich war ebenso wie er schon einige Tage tot. Nicht das ich mich darüber beklagen möchte. Es ist einfach so, man kann, darf oder will nicht mehr, verläßt seinen Körper, ist unterwegs, trifft einige Leute und keiner nimmt uns wahr. Wir gammeln noch vierzig Tage herum, einfach so ohne Anstrengung. Wir lachen das uns kein Fremder hört und wir sprechen ohne das uns jemand versteht. William stand vor mir in der Reihe. Er war versucht aber ich sagte: "Dreh dich nicht um."
"Kann ich trotzdem reden ?"
"Du wirst es müssen", raunte ich ihm zu.
"Es waren drei. Eine schlug mit einem Eisenstab auf mich ein, die Andere gab mir den Stoß. Es kam so unverhofft. Dann war meine Tasche weg und das Auto fuhr an."
"Hattest du Schmerzen ?"
"Nein."
"Was willst du mehr", sagte ich.
"Und was geschieht jetzt ?"
"Entspann dich, denke mal darüber nach, es wird dir wieder einfallen. Wenn du denkst du bist das erste Mal hier, dann irrst du dich, außerdem ermittelt die Polizei."
"Wird es herauskommen ? Ich meine, warum sie es getan haben ?"
"Na klar, da gibt es nichts zu verbergen und ob die Polizei weiterkommt kann dir egal sein, verstehst du ? Es geht jetzt nur darum ob du wieder zurück mußt."
Er schien nervös zu werden. Er trat von einer Wolke auf die andere wie man hier sagt. Die Schlange in der wir standen bewegte sich langsam voran. Weil er vor mir ging, mußte er auch vor mir an den Spiegel. Ich blieb seitlich stehen Ich konnte ihm über die Schulter blicken. Sein Gesicht wartete bereits auf ihn. Sein Mund blickte aufgerissen wie ein offenes Fischmaul und seine Augen starrten, schmal und eng wie ein Paar zugeschnürter Schuhe. Über den Falten erhob sich der vorderglatzige Schädel. Ob er gut aussah oder nicht war hier nicht die Frage. Es entschied sich an den Adjektiven die ihm entgegenblickten. Gierig, gerissen, feige. Er versuchte zu lächeln. Zu seiner Verteidigung sagte er:" Ich hasse die Menschen, besonders die unfähig sind Geld zu verdienen. Was ich brauchte konnte ich mir kaufen oder nehmen, je nachdem wie schwach die Anderen waren. Ich bin stolz darauf."
Es liegt an der Atmosphäre hier das man keine Ausflüchte sucht.
Seine Worte verschwammen im Spiegel. Sein nackter Körper schimmerte aus dem Glas. Im Hintergrund war das Enterprisebuilding zu sehen. William Roley stand in seinem Büro. Er beugte sich über eine Frau. Er hielt in der Hand einen Gürtel. Er hob seinen Arm und schlug der Frau auf den nackten Körper. Anstelle von Worten drang Keuchen aus seinem Mund. Durch eine Wand hindurch war Mrs. Woolbridge zu erkennen. Sie sortierte Quittungen. William Roley schlug noch mal zu. Als er abließ fragte die Frau : " Bekomme ich die Wohnung ?"
So war er gewesen. Es war für ihn nicht schwer neue Opfer zu finden. Sie kamen in sein Büro. Die Bearbeitungsgebühr war vorher zu entrichten gewesen.
In jener Nacht hatte er den Frauen keine Aufmerksamkeit geschenkt. Die eine Frau hatte von vorn zugeschlagen, ihre Schwester hatte hinter dem Steuer gesessen. Die Mutter der beiden hatte William Roley von hinten den Stoß verpaßt bevor der Wagen anfuhr. Eilig hatte sie das Wort ´ZORN´ auf den Bürgersteig gesprüht. Die Ermittlungen der Polizei blieben ohne Ergebnis.
Ich hörte ihn noch sagen :"Muß das sein ?", dann sah ich ihn hinter der Tür für Wiedergeburten verschwinden.
Als ich vor den Spiegel trat, war Roley bereits für mich in der Vergangenheit verschwunden. Ich blickte eine Weile in das Glas bis eine Schrift aufleuchtete und mir mitteilte: "Sie bleiben in der Zukunft hier." Ich atmete auf und erfüllte mir einen letzten Wunsch.
Also schrieb ich meinem Verleger. "Mein Lieber, ich habe zu tief ins Glas geschaut. Erinnern Sie sich nicht ? Über das wie, will ich kein Wort verlieren. Bitte bedrängen Sie mich nicht. Lassen Sie mich in Ruhe."

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Aus dem Tagebuch eines Toten

von

Uwe Kampmann


Ich hatte mich seit einigen Tagen in der Stadt nach einer Frau umgesehen. Jetzt wo ich es schon aufgegeben hatte, saß sie mir gegenüber am anderen Tisch. Die Beine übereinandergeschlagen. Die Sonnenbrille neben dem Eisbecher, den Blick über die Zeitung werfend. Kaltblütig stand ich auf und ging zu ihr hinüber. Ich fragte: "Darf ich mich zu Ihnen setzen ?"
"Tun Sie das ", ihre Antwort klang selbstverständlich. Sie ließ keine Verlegenheit aufkommen. Ich setzte mich. Sie lächelte und fragte: "Erinnern Sie sich an mich ?"
Ich begann scharf nachzudenken. Meine Gedanken kreisten. Sie versagten mir jedwede Erkenntnis trotzdem sagte ich :"Ja, Sie kommen mir bekannt vor. Ich habe schon häufiger von Ihnen geträumt nur tragen Sie heute die Haare anders. Nichtwahr, früher hatten Sie Locken ?"
"Sie erinnern sich also ?"
Wir schwiegen bis der Kellner kam. Ich bestellte einen Campari. Er schien mich zu übersehen. Lächelnd ging er an den Nebentisch und nahm dort die Bestellung auf. Ich blieb gelassen und sagte: "Ich vermute, Sie verwechseln mich."
"Ich glaube nicht."
"Oh doch", ich bestand darauf und winkte erneut dem Kellner zu. Ich schnipste mit den Fingern und rief: "Ober!" Er ignorierte mein Rufen. Achtlos ging er vorbei.
"Gestatten Sie das ich rauche ?"
"Wenn es Ihren Lungen guttut, machen Sie was Sie wollen."
Ich griff mir aus meiner Innentasche eine Zigarette. Sie gab mir Feuer. Ich bemerkte ihre kräftige Hand, sie war sehnig und schien mir älter als ihr Gesicht zu sein.
"Es würde genug sein wenn Sie sich erinnern könnten."
"Tut mir leid, der Kellner irritiert mich."
"Möchten Sie von meinem Eis ?"
"Ich dachte, ich könnte Sie einladen."
"Sie weichen mir aus."
"Ehrlich gesagt", ich zögerte, "ich bin an Ihren Tisch gekommen weil Sie mir gefallen."
"Nur deswegen ? Nicht weil Sie mich kennen ?"
Ich fühlte mich von meinem Gedächtnis hintergangen, das etwas verbarg was sie zu wissen schien. Sie strich sich ein Strähne aus dem Gesicht. "Na, möchten Sie ?" Sie hielt mir ihren Löffel hin. "Erdbeereis."
"Ich rauche jetzt."
"Seien Sie doch nicht so widerspenstig. Ich gefalle Ihnen doch, oder ?"
"Sicher aber deswegen brauchen Sie nicht anfangen mich wie ein Kind zu füttern."
"Das macht doch nichts wenn man sich liebt." Ihr Lächeln machte mich unsicher. Ich konnte mich nicht erinnern wann ich das letzte Mal so gefühlt hatte, hingezogen und hilflos. Ich überlegte wie ich das ändern konnte. Ich beugte mich zu ihr und verschlang das Eis. Ich spürte die Kälte in meinem Körper, die Leere in meinem Magen und ihren Duft der an Maiengrün erinnerte.
"Sie brauchen sich nicht zu fürchten. Ich kann mich erinnern das es vorbei ist", flüsterte sie mir zu.
In diesem Moment setzte sich ein Herr unverfroren auf den Platz auf dem ich saß. Ich zog es vor zu schweigen. Das Ganze könnte zum Ärgernis werden, wenn ich heftig reagieren würde. Er lächelte ihr zu. Sie öffnete ihren Mund. Ich blickte sie an. Das Heulen einer Sirene kam direkt auf mich zu. Meine Ohren schienen platzen zu wollen. Einen Augenblick lang, dann schloß sie ihre Lippen. Die Ruhe kam wie ein Schlag. Meine Erinnerung war wach. Mir wurde klar, sie gruben mich aus den Trümmern, ich lag in ihren Armen. Ein Jahr zuvor hatte Sie mich auf die Welt gebracht. Es war beim letzten Bombenangriff im Keller, das Gas hatte ihr Parfüm verdrängt. Jetzt fiel mir auf wie bleich sie war. Wir waren uns noch einmal begegnet. Meine brüchige Erinnerung fügte sich zusammen. Ich griff nach ihrer Hand.


Wir hatten abseits der großen Fabriken gelebt. Das unregulierbare Brummen der Maschinen war über dem Haus gewesen. Die Sirenen hatte ich für die grelle Stimme des Windes gehalten, der mir in den Tagen vorher, als man mich allein auf dem Balkon gelassen hatte, sanft und warm über das Gesicht gestrichen war. Mein Name war mir noch unaussprechlich gewesen. Im Hof stand ein Kastanienbaum. Der Geruch der Bohnensuppe hatte mich ahnen lassen, daß es Dinge gab die ich noch nicht kannte. Es war auszuhalten gewesen, bis die Fenster und Vitrinen mit brüllendem Klirren zersprungen waren. Sie hatte mich gegriffen. Nur im Treppenhaus brannte noch Licht. Rostiges Quietschen und verschlossene Wände bedeckten die Umgebung. Detonationen pochten gegen die Mauern. Ich hielt meine Augen zusammengekniffen. Ihre Hand glättete meine Stirn. Ich verspürte den Duft von Maiengrün bis mich die Stille umgab.
Schweigend und brennend wie ein Ofen lag die Stadt unter mir als ich sie verließ. Ich wußte das es keine Straße war auf der ich ging. Meine Gedanken hafteten daran das große Ziel zu erreichen, das ich mit meinen zwei Augen nicht zu sehen vermochte. Die vor und hinter mir gingen waren alterslos wie ich. Niemand trug etwas bei sich, was uns hätte unglücklich machen können. In der Zeit nach Sonnenuntergang kamen immer mehr die sich uns anschlossen. Unter uns breitete sich die Dunkelheit wie ein Nachtreptiel aus.
"Du erinnerst dich ?", fragte sie mich.
Ich nickte und hielt immer noch ihre Hand.
"Es ist Zeit für Sie zu gehen", sagte der Herr der auf meinem Platz saß und sah mich an.
"Wieso ?"
"Na sehen Sie nicht das ich auf ihrem Stuhl sitze."
"Und wohin ?", fragte ich.
"Zurück", erwiderte er.
Sie blickte mich mit dem Lächeln an, das mich hatte zu ihr kommen lassen. Ich spürte die Leere in meiner Hand. Ich erhob mich und ging zurück auf die Straße über die ich gekommen war.

27.3.07 23:28, kommentieren

GEDICHTE von Uwe Kampmann

Donnern, strömen und zerspringen
kraftvoll aus der Feder gießen
Worte blumengleich entspringen
Worte zu Musik erklingen.
Kraftvoll in die Klippen jagen
Worte sind auch Unbehagen.

Abgegriffene Phrasen hängen an den Lippen.
Fragezeichen liegen auf den Händen.
Ratlos sind die Ohren geöffnet.
Müde nehmen die Augen das Gesagte zur Kenntnis.
Schön das es sich noch träumen läßt.

Neid sitzt im Gesicht,
hört verrunzelt die Lieder.
Gepeinigt nieder, kauert er in lautlosen Worten.
Da kommen zwei Hände
und glätten sein Gesicht.

In großer Liebe zueinander
in Duldsamkeit und Toleranz miteinander
die Zeit scheint kurz,
und trotzdem
wir hatten unser großes Glück

Nur er kennt seinen Namen.
Er lebt in der Straße,
seit Jahren.




Mit einem Tropfen begann es zu regnen.
Mit einem Tropfen hörte es auf,
dazwischen sah ich viele Regenschirme.



Die Klarinette

Zirpend, singend, klangvoll Stimmung
Instrumente erfüll´n den Raum
plötzlich nähern sich die Streicher
versteckt steh ich hinter dem Baum

Zögernd, leis und noch verhalten
rauher Zartheit voll beladen
wandert unter den Arkaden
klangvoll tritt sie nun hervor

Langsam sich zum Kreis hinsuchen
Stimme voller süßer Pein
reiht sich dann mit kecken Tönen
in den Kreis der andern ein.

Springt hinauf voll Heiterkeit
wird dann langsam sehr getragen
vor den andren sich verneigt
ihre Stimme voll Verzagen

Alles lauscht ihrem Klagen
keiner kann ihr helfen tragen
ruft hervor nach neuen Zeiten
da erklingt von allen Saiten
jubelnd bricht Musik hervor.



Kalte Nässe liegt über dem Schweigen
der Morgen ist bleich
stumpf ruht der Park
erfroren liegt ein Mann auf der Bank
der Hund hebt sein Bein und beißt in das Fleisch.



Der Flußwind

Im Januar zieht er das Tal hinunter zur Küste.
Die Hafenstadt liegt ihm offen.
Er treibt die salzige Luft zurück auf das Meer und zerstreut den Abfall auf dem Trottoir.
Die Fischer frösteln.
Der Wind belebt die Gespräche.
Kragen stellen sich ihm entgegen.
In den Bistros sagen die Menschen,
der Mistral sei in der Stadt.



Sterben

Niemand erwartet hier niemand
jeder wird kommen
der Tisch ist gedeckt
hier ist Raum
für alle die niemanden erwarten
jeder kommt
sei es aus Neugierde
sei es weil er es muß.




Form und Klarheit trägt der Pinsel
in der Spitze aufs Papier
Wiedergabe ferner Berge
Tiere, Bäume zeigt er dir.



In einem Zelt im Nationalpark
nachts kommen die Bären
sie werfen alles durcheinander.



Blasse Knospen festgeschlossen
voll gefüllt mit ihrem Saft
öffnen sich sanft, leis zur Blüte
Farben, Duft mit zarter Kraft.
Jede Knospe gleich geschwollen
quellen Tulpen aus der Vase
legen ihre Köpfe nieder
bäumen sich im Lauf des Tages
gegen das Verenden auf.
Farben ihre Schönheit zeugen
trotzdem müssen sie sich beugen
nieder sich zum Tod bewegen
wirft der Stil die Blätter fort
sah die Blüte oftmals sterben
ich beweg mich hin zu diesem Ort.



Denkmal

Augen
blicken klagend an
Stimmen
schweigen voller Trauer
ist das Denkmal eingraviert
das Gefühl von Dauer ?



Hart und scharf und ohne Seele
wirft er seinen Schatten nieder
in die Luft, aufs Meer, aufs Land
Kriege ringen alles nieder
was das Leben einst erfand.
Ständig strömen ewig Worte
wandeln gleichsam um die Welt
doch was hält die Taten nieder
das zu tun was uns gefällt.
Worte sind von nichts umfangen
nur von seligem Verstand
Taten ringen Kriege nieder
Regenbogen ist ein Land.



Schnee fällt auf uns.
Frost liegt auf unseren Gliedern.
Wir steigen empor,
streifen über Berge.
Wir sehen uns zu Hause wieder.



Namenlos ist unser Kommen
namenlos was zuerst war,
namenlos war alles um uns
Namen waren einst nicht da.



Türmen Steine sich zu Felsen,
Felsenberge zum Massiv,
wie den Weg zum Gipfel finden,
im Winter liegt der Schnee sehr tief.




Berge ragen in den Himmel
wo der Schnee den Stein bedeckt,
stille Ferne im Gebirge
eiskalt sich der Pfad raufstreckt.
Kiefern noch die Wege säumen,
kalt und nackt ist das Gestein,
Wolken treiben in die Berge,
hier fühlt Mensch sich noch allein.



Gefühle hängen an den Zweigen.
Trauer bewegt sich im Wind.
Blätter fallen in das Wasser,
Gelassenheit trägt sie dahin.



Windzerrissen und gebeugt
fliegen Wolken in den Bäumen
Wasser sammeln, stürzen sich
tief hinab und schäumen,
strudeln, gleiten und zerrinnen
um von Neuem zu beginnen.



Tränen fließen mehr und mehr
leeren sich aus ganzem Herzen
wenn man weiß es ist zu spät.



Kontinente erahnen
das Boot besteigen
hinaus auf das Meer
Wind und Nebel nicht fürchten.
Der Tod lauert auch am Kamin

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